No. 5: Von Fehlern und vom Verzeihen

Diese Woche durfte ich mehrfach einsehen, an verschieden Fronten Fehler gemacht zu haben.

Bei der Arbeit machte es Sinn, nach dem Grund zu suchen und eine kleine Korrektur im Prozess herbeizuführen. Es war ein Fehler, bei dem niemand verletzt wurde und keiner einen Schaden genommen hat. Dennoch war es unangenehm. Vor allem mir. Dieser Fehler wurmte mich. In mir veränderte sich allerdings viel, als ich den Geschäftspartner wirklich um Entschuldigung bat. Er nahm es mir im Gespräch auch nicht mehr übel.


Ein weiteres Mal fühlte sich eine Freundin verletzt, weil ich mich nicht gemeldet hatte. Im ersten Moment baute sich in mir Druck auf und ich suchte nach Ausreden. Im zweiten Moment atmete ich tief ein und aus und gestand mir wahrhaftig ein, „Ja, es wäre wichtig gewesen, direkt zu antworten. Umgekehrt wäre ich auch verletzt.“ Ich spürte mit einem Male eine Dankbarkeit in mir, dass diese liebe Freundin ihre Verletztheit kundgetan hatte. Also habe ich mich bei ihr bedankt und entschuldigt. Siehe da, wie durch Zauberhand war der innere Druck weg. Auch sie war dankbar und froh.

Was zeigt mir das Leben diese Woche wieder sehr bewusst?


1. Lernen den Mund aufzumachen und sagen wie es einem geht, ist ein Segen für sich selbst und für

andere. Dies fällt verdammt schwer. Denn dabei muss ich erst einmal lernen, meine Verletzung zu

spüren und anzuerkennen. Vielleicht ist auch anzuerkennen, dass ein eigener Anteil dabei ist.


2. Ausreden und Schuldzuweisungen bringen niemals meine eigene Person ins Spiel, sondern beziehen

sich auf andere Personen oder eben die Umstände. Das ist wahnsinnig bequem. Es stellt die eigene

Person höher als die anderen. Oder das eigene wackelige Selbstwertgefühl wird nicht angegriffen.

Eigene Verantwortung und Selbstwirksamkeit haben keinen Raum.


3. Ausreden sind ungerecht und bringen mich in einen stressigen Zustand. Die Schuld bei anderen

suchen, ist wie Gift. Gift für mich und für das zwischenmenschliche Klima.


4. Atmen, einen Schritt zurückgehen, einen anderen Blickwinkel einnehmen, geschmeidig werden und

sich entschuldigen, Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen - und mit einem Mal ist die

Selbstwirksamkeit wieder im Spiel. Diese Selbstwirksamkeit bringt mich ganz schnell wieder in

meine Kraft und Freude.

Oh ja, es ist schwer, Fehler einzugestehen und um Verzeihung zu bitten. Vor allem ist es auch schwer, anderen und sich selbst zu verzeihen. Ich denke, diese Punkte müssen betrachtet werden, um nicht in eine Opferrolle zu gelangen. Natürlich kann sich jeder in der Opferrolle gefallen und wohl fühlen, eine Veränderung bringt sie allerdings nicht mit sich. Diejenigen dürfen hier aufhören zu lesen.


Bis zum nächsten Mal.



Du liest weiter? Danke Dir sehr. Du wünschst Dir also Veränderung.

In seinem Buch „Gesund durch Meditation“ schreibt Jon Kabat-Zinn: „Keiner von uns muss ein hilfloses Opfer dessen bleiben, was ihm in der Vergangenheit angetan oder vorenthalten wurde oder was er in der Gegenwart zu erdulden hat. Wir sind immer das Ganze, als das wir geboren wurden, das Ganze, das wir waren, bevor es seine Wunden empfing und seine Narben davontrug.“ Ist also eine echte Veränderung gewünscht, musst Du wirklich aus der Opferrolle herauswollen. Wo ein Wille, da ein Weg. Du und ich, jeder entscheidet selbst ob Opfer oder nicht.


Du darfst Dir also Deiner Situation bewusst und klar werden. Manches muss eingestanden und anerkannt werden. Das kann sehr schmerzlich werden. Diesen Schmerz gilt es, ernst zu nehmen und aufkommende Gefühle müssen in ihrer ganzen Intensität wirklich gespürt werden. Ein Zurückhalten, Verharmlosen oder Unterdrücken dieser Emotionen löscht sie nicht. Die Emotionen tummeln sich weiter in uns und bringen Unruhe.


Anschließend darfst Du Dich fragen, was tut Dir jetzt gut? Was kannst Du ganz real machen, damit es Dir besser geht? Komme in die Selbstverantwortung und Aktivität. Bleib ganz bei Dir und bringe erfrischende Lebendigkeit in Deine persönlichen Lösungsideen.


Ein Weg wäre eine Überlegung wert: Selbst – also von Dir heraus – anderen und sich zu verzeihen.

Verzeihe also denen, die Dich verletzt, betrogen, verlassen oder bestohlen haben, auch denen, die Dir ihr Wort nicht gehalten haben, Dir in den Rücken gefallen sind, Dich schikanieren. Ihnen verzeih! Bitte verzeih diesen Menschen „nicht um ihret-, sondern um Deinetwillen – wirklich ganz und gar um Deinetwillen.“ Verzeih ihnen „nicht weil sie es verdient hätten, dass Du ihnen vergibst; auch nicht weil sie ‚auch nur Menschen‘ sind.“ Verzeih ihnen so, dass Du Dich befreien und heilen kannst.

Dies gilt auch für die eigenen Fehler. Verzeih sie Dir selbst, „damit Du glücklich sein kannst“ und wieder Freude bei Dir einziehen kann. (Siehe auch "Die schönen Dinge siehst Du nur, wenn Du langsam gehst".)


Ganz praktisch helfen hier Meditationen oder die verzeihenden Gedanken aufzuschreiben.


Auf einen heilenden Lernprozess in die Freude.


Herzlichst Deine Kathrin


Dies sind die Bücher, aus denen meine Gedanken Flügel bekamen.


"Die schönen Dinge siehst Du nur, wenn Du langsam gehst" Ein zartes Buch voller Weisheit von Haemin Sumin.


Jon Kabat-Zinn "Gesund durch Meditation - Das große Buch der Selbstheilung mit MBSR"



Dein heimischer Buchhandel freut sich über Dein Interesse. Bei Nutzung der Links wisse bitte, dass ein kleiner Betrag zu mir kommt, ohne dass sich für Dich der Preis ändert. Danke Dir.

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

No. 11: Der Spiegel der Liebe

Warum zersplittert ein Spiegel? Möglicherweise hat er dem enormen Druck von außen nicht mehr standgehalten. Möglicherweise stand er dauerhaft in seinem Rahmen unter Spannung. Oder aber er ist herunter

No. 10: Tanz' Dich in Deine Freude

Seit einigen Wochen wohne ich nun in meiner eigenen Wohnung. Es waren anstrengende Wochen bis ziemlich alles fertig ist. Der Neuanfang durfte sich eben auch an die Mitte meines Lebens anpassen. Also s

No. 9: Mensch bleiben in handyfreien Lachzonen

Auf Wunsch eines einzelnen Herren, dessen Name dem Datenschutz zum Opfer fällt, schreibe ich heute diesen Blog. Er wünschte sich das Thema „Handyfreie Lachzonen“. Ich hinterfragte, was er damit meinte

© 2020 Kathrin Bendel  MIT FREUDE

KONTAKT

IMPRESSUM 

DATENSCHUTZ

 

  • Facebook
GooglePlusCoverPhoto_edited_edited_edite

Schön, dass Du da bist.

Die Fotos von mir sind durch die fantastische Gitta Hilb entstanden. Gitta, Danke Dir für dieses großartige  Erlebnis.