No. 9: Mensch bleiben in handyfreien Lachzonen

Auf Wunsch eines einzelnen Herren, dessen Name dem Datenschutz zum Opfer fällt, schreibe ich heute diesen Blog.


Er wünschte sich das Thema „Handyfreie Lachzonen“. Ich hinterfragte, was er damit meinte. Antwort: „Überall wo Menschen zusammensitzen, glotzen sie auf ihr Handy und schweigen. Dabei ist es doch viel schöner zusammen zu lachen.“ Ich muss schmunzeln, denn ich komme gerade aus einem Zoom-Call mit wunderbaren Frauen, in dem wir gemeinsam arbeiteten, Wein tranken, lernten und viel lachten, obwohl wir uns noch nie im realen Leben getroffen haben. Da die Frauen in der D-A-Ch-Region verteilt leben, verbinden uns einfach die Vorzüge der digitalen Welt. Ich habe also digitales Leben mit meinem echten Leben verbunden. Lachend und sehr erfrischend.


Der Herr, dessen Name nicht genannt werden darf :-), hat ja Recht. Trotzdem wir mitten in der "digitalen Revolution" sind, sollten wir uns treffen und miteinander im Gespräch sein und vor allem Lachen. Es gibt bereits Cafés oder Hotels, die bewusst auf WLAN verzichten.


Was unterscheidet uns denn von der künstlichen Intelligenz? Nun, wir können uns bewusst entscheiden und mit einem Knopfdruck die Geräte abschalten. Auf einmal sind wir ganz selbst. Einfach da. Schwer auszuhalten ohne Ablenkung? Wie ist das für Dich? Ich gestehe, ich mache mir so meine Sorgen, wenn ich sehe, wie junge Eltern den Kinderwagen schiebend auf ihr Handy schauen. Wenn Kinder mit großen und vermutlich exzellent ausgestatten Handys in die Grundschule gehen. Wenn Jugendliche im Café sitzen oder gemeinsam Geburtstag feiern und sich nicht miteinander unterhalten, sondern digital mit jenen online im Kontakt sind, die gerade nicht dabei sind.

Oder ist die persönliche Situation gerade so, dass es „eigentlich“ nichts oder nicht viel zu lachen gibt und Du lenkst Dich digital ganz bewusst ab, um nicht ins Spüren zu kommen?


Ich für mich kann sagen, Lachen und Weinen können sehr nah beieinander liegen. Es braucht - nach meinem Verständnis - auch beides seinen Raum. Lachen und Weinen aktiviert jeweils das Zwerchfell stark. „Die alten Griechen waren der Ansicht, dass das Zwerchfell der Sitz der Seele und der Gefühle ist. Deshalb nannten Sie unseren größten Atemmuskel ‚Seelenmuskel‘.“ Ich finde den Begriff ganz, ganz wunderbar. „Damit hängen die Redewendungen zusammen ‚Aus tiefster Seele lachen‘ und ‚Sich die Seele aus dem Leib heulen‘. Hält man Lachen und Weinen zurück, führt das zu verspannter Atemmuskulatur und die Atmung wird flacher.“ Stress entsteht. Lachen dagegen löst die Anspannung im Zwerchfell. Damit kann sich die Atmung wieder vertiefen. Stress löst sich.

Da Lachen ähnlich wie das Singen unsere Gedanken pausieren lässt, können wir lernen mit Lachtraining unsere Kommandozentrale auszuschalten. Das Gemüt wird fröhlicher. „Dem freischwingenden Zwerchfell ist es möglich, die gehaltene Trauer loszulassen.“


Trotzdem kann aus einer beschwingten, fröhlichen Situation „das Lachen in Weinen umkippen. Das ist eine Antwort auf die Frage: ‚Ich bin doch eigentlich gut drauf. Warum weine ich jetzt?‘ Es ist gut, die Tränen laufen zu lassen, denn sie reinigen den Körper von Stresshormonen wie Adrenalin.“ Die losgelösten Tränen können als Waschmaschine der Gefühle die Entspannung fördern und wieder den Wechsel in die Fröhlichkeit erleichtern.


Umgekehrt ist aus dem Zustand des Weinens ein Wechsel ins Lachen möglich, wenn man einen Witz hört oder etwas Lustiges sieht. Dann wird im Zustand der Trauer „ein Glückscocktail aus Endorphinen ausgeschüttet, das Lachen wird mehr, das Zwerchfell kommt weiter in Schwingung und der Wechsel ins Lachen und ins Glücksgefühl hat stattgefunden. Weinen und Lachen sind wichtige Ausdrucks-möglichkeiten unserer Empfindungen. … Die Fähigkeit, sich in der Form ausdrücken zu können, geht einher mit Liebe zu sich selbst und der Liebe zu seinen Mitmenschen.“


In einer inneren und äußeren Umgebung des Vertrauens und der Liebe kann ich mich also mit allen Facetten zeigen. Im besten Fall lache ich mit lieben Menschen oder sie halten mich einfach im Arm. Nicht reden. Einfach halten und atmen.


Lachen und Humor sind tatsächlich die Verbindung zum puren, echten Leben. Stell Dir eine Beerdigung vor. In der Regel gibt es anschließend den Leichenschmaus. Nach der anfänglichen Stille und Trauer löst sich irgendwann die Stimmung. Geschichten über den Verstorbenen werden erzählt und es wird gelacht. Dieses Lachen trägt ein Stückweit zur Heilung bei den Trauernden bei und es verbindet sie miteinander. Provokant gefragt: Was wäre oder wie wäre es, wenn jeder Trauergast nur auf sein Handy starren würde?


Vergessen wir also unser reales Leben nicht und lachen mit unseren Mitmenschen so häufig wie möglich. Möge sich jede/r eingeladen fühlen, offline zu lachen.


Zu Zeiten des Maskentragens ist Lachen und Freundlichkeit über das reine Mundwinkel nach oben ziehen mehr denn je gefragt. Geübte Menschen erkennen einen lachenden und fröhlichen Menschen an den funkelnden und von Lachfältchen umringten Augen. Wie stehts mit Deinen Lachfältchen? :-)


Die Zitate aus diesem Blog stammen aus dem Buch von Silvia Rößler „Lachen trotz alledem“. Untertitel ist „Darf ich lachen, wenn ich traurig bin?“ Sie und ich sagen „JA!“ Silvia Rößler sagt auch „Lachen ist die Seele putzen.“

PS. Möglicherweise ist der Blog über handyfreie Lachzonen jetzt anders geworden als erwartet. Danke, dass Du trotzdem offen warst für meine Gedanken.

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