No. 11: Der Spiegel der Liebe

Warum zersplittert ein Spiegel? Möglicherweise hat er dem enormen Druck von außen nicht mehr standgehalten. Möglicherweise stand er dauerhaft in seinem Rahmen unter Spannung. Oder aber er ist heruntergefallen.

Auf jeden Fall ist er zerbrochen. Gebrochen. Kaputt. Was nun? Ein Spiegel kann sich selbst nicht helfen.

Es dürfen nun andere Menschen kommen, die ihn bis auf den kleinsten Splitter aufsammeln. Sie puzzeln die Einzelteile wieder in seiner Ursprungsform zusammen und kleben ihn mit einem ganz besonderen Kleber. Dieser Kleber hat Gold- und Silberpartikel. Die Menschen finden für den Spiegel einen königsblauen Rahmen, in den er ohne Spannung hineinpasst. Nun hängen sie den reparierten Spiegel in ihrem Umfeld an einem sicheren Platz auf. Nichts zieht, nichts drückt und der Spiegel steht nicht mehr unter Spannung. Er hängt nun in einem Umfeld der Liebe, der Geborgenheit und der Freude. Seine Narben aus Gold und Silber strahlen all das wieder zurück. Seine Spiegelsplitter funkeln im Licht dieser Liebe. Seine Narben nimmt er in der Geborgenheit nicht mehr wahr. Sie schmerzen ihn nicht mehr. Er ist durch seine geheilten gold- und silberfarbenen Spuren noch schöner geworden als vorher. Ja, er ist sogar wertvoller geworden. Selbst seine neuen Besitzer, die ihn geklebt und ihm einen passenden Platz gegeben haben, werden immer strahlender. Denn immer, wenn sie in den Spiegel schauen, entspringt in ihnen mehr und mehr Liebe. Irgendwann sind sie so erfüllt von dieser Liebe, dass sie überströmt und andere Menschen erreichen kann. Die wiederum werden ebenfalls mit einer so großen Liebe erfüllt, bis auch dieser wieder überfließt und weitergegeben werden kann.

Dies ist ein Auszug einer Schreibübung, welche ich heute während einer Coaching-Weiterbildung unter dem Titel „Der zerbrochene Spiegel“ geschrieben habe. Hat diese Geschichte mit mir zu tun? Ja. Ich habe aus verschiedenen Gründen einige innere und äußere Narben. Gibt es Menschen, die mich trotzdem lieben und fördern und dadurch meine Narben in Gold und Silber tauchen, so dass sie zwar sichtbar und trotzdem schön sind? Ja. Gerade in den vergangenen Wochen, Monaten und noch einmal besonders an den letzten zwei vergangenen Wochenenden habe ich in mir dieses innere Strahlen, diese Heilung spüren dürfen. Dankeschön. Was noch viel großartiger ist, dieses Strahlen und Leuchten springt wirklich über!


Hat diese Geschichte mit Dir zu tun? Ja. Denn auch Du hast ganz bestimmt innere oder äußere Narben. Bitte bedenke, in einem Umfeld, in dem Du krank geworden bist, ist es schwer bis unmöglich, zu heilen. Bitte finde Menschen und Lebensräume, die Deine Narben heilen und Dich von innen heraus (wieder) zum Strahlen bringen. Du bist es wert, wieder zusammengesetzt und wunderbar einzigartig, liebend und wertschätzend Dein Leben zu leben.

Oder Deine Narben machen Dir zu schaffen, dann sei Dir bitte gewiss, sie sind kein Makel. Sie machen Dich zu der Sensation, die Du bist.


Beim Schreiben dieser Geschichte erinnerte ich mich an zwei Dinge, die mir diese Woche begegnet sind und mir heute zum Geschenk wurden, in dem ich sie ein bisschen vermischte.


1. Ich erinnerte mich an ein Bild einer blauen Schale mit goldenen Nähten. In welchem Zusammenhang ich dieses Bild sah, weiß ich nicht mehr. Doch es handelt sich bei diesen Schalen um die japanische Kunst, zerbrochene Keramik zu reparieren. Sie heißt Kintsugi. Hierbei werden jedoch die Einzelteile einer zerbrochenen Schale nicht unsichtbar zusammengefügt, sondern in den Fugenkitt werden Golds- und Silberpartikel eingearbeitet und feingeschliffen. Damit werden die vermeintlichen Makel in den Vordergrund gerückt und erhält eine ganz eigene – ja neue – Schönheit.

2. Ebenfalls diese Woche hatte ich wieder einmal mit dem Gedicht „Die Schale der Liebe“ von Bernhard von Clairvaux Kontakt:


Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist.

Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter. Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen und habe nicht den Wunsch, freigiebiger zu sein als Gott.

Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See. Du tue das Gleiche! Zuerst anfüllen und dann ausgießen.

Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen. Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du nämlich mit dir selbst schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.

(Bernhard von Clairvaux)

Liebe ist das Band, welches uns alle verbindet. Möge die Liebe zu uns selbst, zwischen den Seelen und Herzen leuchten.


Herzlichst, Deine Kathrin

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